Die Beller proben den Aufstand
Werner Dupuis zu Scheidungsgelüsten in der Großgemeinde Bell
33 Jahre hat die Ehe zwischen den sechs Ortsteilen der Großgemeinde Bell gedauert. Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Ganz rationale Gründe waren ausschlaggebend für diese Liaison. Die Möglichkeit der Bewältigung gemeinsamer Probleme, ein wenig Zeitgeist, etwas Druck von der Obrigkeit und finanzielle Zusagen als Hochzeitsgeschenk taten ihr Übriges. Zusammengehalten wurde die Allianz von starken, kommunalpolitisch erfahrenen Persönlichkeiten im Beller Kirchspiel, die geschickt Regie führten und für einen Ausgleich bei unterschiedlichen Interessen sorgten.
Doch all das ist Schnee von gestern. Die Bürgerversammlung in Bell dokumentierte beeindruckend den Willen des Ortsbeirates Bell, sich aus der gleichnamigen Gruppengemeinde zu verabschieden und zukünftig selbstbestimmt ein eigenes Süppchen zu kochen. Vor Selbstbewusstsein strotzend, plädierten die Ratsherren des größten Ortsteils für einen Ausstieg und präsentierten so manch stichhaltiges Argument dafür. Mit Dietmar Gaß haben sie einen Ortsvorsteher, der diese Forderungen nach außen vertritt.
Einen schweren Stand hatte an diesem Abend in der geschlossenen Phalanx der Aussteigewillige Kurt Baumgarten, amtierender Bürgermeister der Großgemeinde. Sein Appell, gemeinsam Wege der Verständigung zu suchen, prallte gegen eine Wand der Ablehnung. Die ultimative Stunde der Wahrheit kommt jedoch bei der von Gaß versprochenen Bürgerbefragung. Mindestens 75 Prozent Zustimmung im Ortsteil Bell lautet das hochgesteckte Ziel der Separatisten. Sollte dieses Ergebnis nicht erreicht werden, will man sang- und klanglos zurück in den Schoß der Gruppengemeinde zurückkehren. Doch daran glaubt zur Zeit niemand so recht. Gespannt kann man auch sein, ob die Beller-Ausstiegs-Initiative einen Flächenbrand in benachbarten Großgemeinden auslösen könnte. Sympathisanten schauen jedenfalls zur Zeit mit großen Augen nach Bell.



